Glücksmomente #10 und #11

Nächste Woche bin ich wieder Zuhause. Nächste Woche. Ich. Zuhause.

Genau genommen sind es noch vier Tage bis zum Abflug und fünf bis ich in so sehr vermisste Umarmungen springe. Und, obwohl das Gegenteil eigentlich eine rein logische Konsequenz wäre, fühlt es sich jeden Tag absurder an. Versteht mich nicht falsch, ich meine nicht absurd schlecht (nein nein, ich freue mich sehr auf Zuhause), sondern einfach komplett unwirklich. So unwirklich, dass ich beim Packen – ja, irgendwann muss man ja anfangen – erstmal meinen Rucksack vollstopfte, ganz nach alter Wochenendtrip-Manier. Hoppla. Auch nachdem ich dann alles in den Koffer umverfrachtet habe, bleibt das mulmige Bauchgefühl. Ich kann einfach nicht glauben, dass mein Jahr Abenteuer jetzt um ist. Dass meine Zeit in Ghana vorbei und die nächste Generation Freiwillige bereit ist.

Meine Gedanken kann ich im Moment leider nicht so gut in Worte fassen, bekomme sie ungewöhnlich schlecht sortiert und so lassen sie sich irgendwo zwischen Aufgewühlt-Sein, Vorfreude auf Zuhause, Nostalgie und Nicht-Realisieren verordnen.

Trotz vieler „Letzter Male“ in den vergangen Wochen, habe ich die schönen Augenblicke nicht weniger genossen, nein nein. Stattdessen schätze ich gerade jetzt meine Highlights mehr denn je und so präsentiere ich stolz, dezent verspätet und mit einer großen Portion Wehmut meine letzten Glücksmomente, die zu 100% in Ghana spielen:

Glücksmomente im Mai:

  • Die ein paar Wochen zuvor abgeschickten Grüße aus Ghana an meine Lieben trudelten nach und nach in den Briefkästen ein und nur wenig später konnte ich mich über die vielen Anrufe, Nachrichten und Fotos freuen. Ich weiß nicht, wann man aufgehört hat Karten zu verschicken, aber ich sehe diesen Trend 0,0 ein. Neben Werbung und anderem Kram so kleine Briefe aus der Ferne zu entdecken, das hat schon was. Noch mehr Spass macht es nur, die lieben Zeilen zu schreiben und sich dabei das überraschte Gesicht vorzustellen (besonders dann, wenn man währenddessen unter Palmen liegt). Einfach old but gold.
  • Als meine Klasse 3A das Thema Grußkarten (hihi, der Kreis schließt sich) hatte, lag es mehr als nahe, dass jeder eine Karte bastelt. Mit den Basics an der Hand waren die Kids frei und konnten schreiben wem und was sie wollten. Die meisten bastelten Geburtstagskarten, manche auch schon für nächstes Jahr (Planen hat noch nie jemandem geschadet), eine Handvoll andere „Get well soon“ Grüße. Komplett von den Socken gehauen hat mich dann allerdings Tano Rivers. Mit einem Lächeln auf den Lippen und einem leisen „For you Auntie Lily“ überreichte sie mir ihre fertig gebastelte Karte. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Die mit Abstand schönsten und herzerwärmendste Karte, die mir je geschenkt wurde, ist nun eine meiner schönsten Erinnerungen an die Central Royal und meine Tage als Auntie Lily.
  • Wie man so schön sagt, ist Vorfreude ja eine der schönsten Freuden und was soll ich sagen? Die Tatsache, dass Anfang des nächsten Monats gleich zwei meiner besten Freunde kommen um mich zu besuchen haute mich tagtäglich von den Socken.
  • Auch wenn ich mein Luftblasen-Leben hier in Ghana sehr geniesse und Spontanität mein zweiter Vorname geworden ist, gibt es Dinge, die getan werden müssen. An Universitäten anmelden ist ein solches Ding. Auch wenn ich das Prozedere nur am Telefon verfolgte (shoutout an alle möglichen Blocker, die mir den Zugang auf manche deutsche Internetseite verweigern), war es mega aufregend. Irgendwie fühlte ich mich plötzlich so erwachsen. Zumindest so erwachsen, wie man sich fühlt, wenn die Mama Unibewerbungen rausschickt 😁 (Danke Mama!)

Glücksmomentew im Juni:

  • Festzustellen, dass ein Krokodil, wenn man es streichelt viel weicher ist als gedacht, war schon cool. Und ja, die nette Reptil-Lady hat gelebt, tut es immer noch und chillte ganz unaggressiv in der Sonne bei unserer Begegnung.
  • Mir seit sehr langer Zeit mal wieder die Wimpern zu tuschen und mein Spiegelbild wieder erkennen. Bevor jetzt irgendwelche fälschlichen Vermutungen aufgestellt werden, möchte ich betonen, dass ich das für mich ganz alleine gemacht habe. Für mich, mein Spiegelbild und mein Ego. Denn, nach 10 Monaten Ghana und ebenso langem Augenbrauen-Färben-Entzug (Was sind eigentlich Augenbrauen?) fühlt sich sowas einfach nur herrlich an. Love it.
  • Als ein mehr oder weniger überraschendes Überraschungspaket im Post Office eintrudelte, war ich vom Inhalt dann doch ziemlich geshockt. Genauer gesagt gezuckershockt. Mehrere Jumbo-Haribo-Party-Mix-Tüten haben sich nämlich ihren Weg zu mir nach Ghana gebahnt um letzten Endes innerhalb weniger Tage (man munkelt auch Stunden) in den Bäuchen meiner Gastfamilie und Arbeitskollegen zu verschwinden.
  • Die mit Abstand schönsten Momente aber waren die, als ich meinen beiden Freunden in die Arme springen und sie tatsächlich in Ghana willkommen heißen konnte. Bis zu dem Augenblick wollte ich einfach nicht glauben, dass sich die beiden tatsächlich auf den Weg zu mir gemacht haben. Wir verbrachten zu viert eine wunderbare Zeit, in der so gut wie jeder Tag hier aufgelistet werden könnte (nein, ich übertreibe nicht). Ein Stückchen Heimat in Form von Menschen, die mir viel bedeuten, in Ghana zu haben, das war ein wundervolles Gefühl.

Meine letzten Tage hier in Swedru werde ich nun Kofferpackend und Kochbananen futternd verbringen, mich von allen und allem verabschieden und hoffen, dass es kein „Tschüss“, sondern ein „Auf Wiedersehen“ ist.

Ich freue mich auf die Heimat, alle die, denen ich nun seit einer kleinen Ewigkeiten nur per Telefon nah sein konnte und Körnerbrötchen.

Bis ganz bald,

Linn

(…ich kann es immer noch nicht glauben)

Autor: Linn

Ich gehe weltwärts und blogge über Ghana, Glitzer und Soziales Engagement. Es werden Fotos und Herzensangelegenheiten geteilt :)

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