Glücksmomente #7, #8 und #9

Falls sich nun irgendwer Sorgen macht, dass ich einfach keinen Spass mehr habe in meinem Leben und deswegen die Glücksmomente seit 3 Monaten fehlen: Ich gebe Entwarnung.

Die Sonne scheint wie eh und je, versorgt mich nach wie vor mit einer Überdosis Vitamin D und garantiert tagtäglich gute Vibes. Ihr seht, alles beim Alten.

Hier nun die handfesten Beweise:

Glücksmomente im Februar:

  • Nachdem unser Hundeclan sich bereits um einen geschmeidigen Wurf von Zuckerbabies vergrößert hatte, legten die Damen nochmal nach und segneten uns mit noch einer Ladung geballter Putzigkeit (ja ich weiß, dass es das Wort nicht gibt, aber ehrlich gesagt ist es mir Schnuppe weil es so gut passt😋). Auf die Frage, „Was ist besser als ein Wurf Hundebabies?“ kann ich nun voller Überzeugung antworten: „Zwei Würfe Hundebabies!!“
  • Eigentlich war ein ganz normaler Morgen, Mitten in der Woche und ich steppe über die Türschwelle in das Reich der Nursery Aunties. Die beiden Betreuerinnen schauen auf, erwidern mein „Good morning“ und halten beide, prompt dass sie mich erblicken, inne. Während ich so angestarrt werde, blicke ich fragend an mir herunter. Hatte kurz Angst, ich hätte mich nur halb angezogen oder so. Aunty Rose merkt, dass ich die Blicke nicht deuten kann und sagt voller Bewunderung “Aunty Lilly you look so good, so different!” Ich schaue ein zweites mal an mir herab und fange an zu lachen – das Ende vom Lied: Neue Birkenstock reißen es raus, meine Freunde!
  • Für die Mehrheit mag dieser Glücksmoment vielleicht albern klingen, aber jeder, der mich besser kennt, weiß um meine eine große Schwäche (nein, nicht Torten und auch nicht die Handtaschen, die andere 😂). So fühlte es sich ein Stückchen wie ein normaler Stadtbummel auf der Langen Straße an, als ich der Versuchung nachgab und mir ein Fläschen kaufte. Statt zum Knallrot griff ich zum dezenten Flieder, aber Nagellack bleibt Nagellack und auch Ghana schafft es nicht mir diesen Tick vollkommen auszutreiben… warum auch?
  • Neugierig wie ich nunmal bin (besonders wenn es um’s Essen geht) erkundigte ich mich bei den Küchenfeen meiner Schule, was es zum Mittag geben wird. Die Antwort Banku mit frischem Pepe ist hier, für alle die sich darunter nichts vorstellen können, wie ein Sechser im Lotto, schakka. Aber damit war noch nicht Schluss, nein nein. Stattdessen fragten die Küchenfeen wie es mit meinen Mörser-Skills aussieht und ehrlich gesagt, naja, ich hab halt keine. Die Antwort war nicht zu ihrer Zufriedenheit (wer hätte es gedacht?) und somit wurde ich ratzfatz zu einer Art Mini-Mörser-Bootcamp verdonnert. Mit einer Schale die dreimal so groß war wie mein Kopf und einem hölzernen Mörser bewaffnet ging es los – drei ganze Zwiebeln, etliche Tomaten, Meersalz und natürlich Chillis – nichts war vor mir sicher. Nach über einer Stunde war ich zwar schweißgebadet, hatte Muskelkater im rechten Arm und konnte meine Hand nicht mehr strecken (ich habe mir nach Aussen hin aber nichts anmerken lassen…zumindest habe ich es versucht😂), war aber immer noch nicht fertig mit dem Pepe. Die Küchenfeen haben dann dem Spektakel ein Ende bereitet und mich offiziell als Mörser-fähig eingestuft – allerdings nicht ohne zuvor alle möglichen Menschen, inklusive Passanten von der Strasse (!), meine Mörserei begutachten zu lassen. Das Publikum war begeistert (ich übertreibe wirklich nicht, es wurde sogar gejubelt), ich wurde angefeuert und das Pepe war mit Liebe gemörsert.
  • Der Tag startet schon hervorragend gut, wenn es zum Frühstück ein Toast mit Avocado gibt. Noch besser, wenn diese Avocado dann auch noch aus dem Garten der Addisons stammt. Und unschlagbar wird das ganze, wenn du mein Verlassen des Hauses beinahe über drei riesige, bis zum Rand mit Avocados gefüllte Schüsseln stolperst. Ein Morgen ganz nach meinem Geschmack.

Glücksmomente im März:

  • Schelmisch grinsend drückt mir meine jüngste Gastschwester was in die Hand. Optisch sieht es aus wie eine weniger schrumpelige, kleine gelbliche Dattel und mit der Aufforderung „Eat it!“ war dann auch klar, was von mir verlangt wurde. Gesagt getan, an sich hatte ich irgendwie mehr erwartet als eine leicht fruchtige Süße. Das Etwas trägt den Namen „Wunderfrucht“, zumindest umgangssprachlich. Ich frage womit sich das Ding denn diesen Titel verdient hat und Ano zuckt mit ihren Schultern, verschwindet und kommt mit einer Orange zurück. Ich freue mich über die obstige Aktion und schiebe mir ein Stück Orange in den Mund. Und ich sage euch: noch nie nie nie hat irgendeine Frucht so dermaßen lecker geschmeckt, wie dieses Stück Orange! Fasziniert esse ich noch eins und fragte Ano wo zum Teufel denn diese hammer Orange her ist. Annorbea guckt mich an und fängt laut an zu lachen – die Orange sei noch nichtmal ganz reif, der göttliche Geschmack geht auf‘s Konto der Wunderfrucht. Und tatsächlich, alles, sogar die eigentlich bittere Schale der Frucht, schmeckte weltklasse. Verrückt was die Natur alles so zaubern kann.
  • Ich wusch knackige 2 1/2 Stunden lang mein Zeug und war dementsprechend fix und alle – Handwäsche hat es in sich. Meine Rettung war dann mein Gastbruder Calvin, der mich mit einem dicken „Eyekooo!“ lobte und mir eine frische Kokosnuss aus unserem Garten entgegen streckte.
  • Es war ein extrem kalter verregneter Freitagmorgen (herrlich!) und anders als in Deutschland, wird beim Regen kein langes Gesicht gezogen, sondern einfach das generelle Lebenstempo um ein paar Gänge runter geschaltet, entschleunigt. Tiefenentspannt wie nunmal alle waren, war auch die Stimmung super und mit der kühlen und erfrischenden Luft fühlte es sich glatt ein bisschen wie Zuhause an. Ich musste dann aber auch noch laut lachen, bei Betreten der Schule fiel mir auf, dass alle Kinder Winterjacken trugen. Ja es war kälter als sonst, aber wir hatten immer noch 26 Grad 😂
  • Trinity, die kleine Tochter meiner Kollegin Paulina, schläft nun immer mal wieder auf meinen Arm ein, wenn die Mama mit den anderen Aunties zur Morgenandacht zischt und grinst mich seit dem breit an, sobald sie mich sieht – absoluter Zuckerschock, ich sage euch.

Glücksmomente im April:

  • Etwas das ich vor Ghana so noch nie gesehen, geschweige denn probiert habe, sind Trinkmangos. Die Apparate kann man sich als Mini-Mango vorstellen, die sobald sie reif ist, zwischen den Händen hin und her gerollt wird. Öffnen tut man sie indem man oben ein Loch reinbeißt und dann wird es so ausgedrückt. Schmeckt wie ein grandioser Mangosmoothie, nur besser. Vielleicht kann man aber auch schon erahnen, dass die Geschichte klebrig und leicht kritisch ist, wenn man es zum ersten mal probiert. Immerhin hatte Annorbea den Spaß überhaupt, als ich mich mit Mango von oben bis unten einsaute. Lecker und Lustig, meine Lieblings-L‘s für einen Mädelsabend mit Ano.
  • Einen absoluten Ehrenplatz in meinen Highlights bekommt die Safari im Mole National Park. Noch nie war ich so nah an einem Elefanten, noch nie bin ich mit einem Jeep so durch die Ghanaische Landschaft geballtert, noch nie habe ich Stunden lang in jeden Baum gestarrt, auf der Suche nach einem Leoparden. Letzteres haben wir leider nicht spotten können, aber mal Butter bei die Fische, man muss auch noch irgendwie Luft nach oben haben, wenn es um perfekteste Tage geht, oder?

Auf der Menükarte ziemlich unscheinbar, auf dem Teller desto grandioser gestalteten sich Joannas und meine Nudeln mit Tomatensoße. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken haben wir den Teller eingeatmet und sind zu dem Entschluss gekommen: Wie von Mama!

Elefanten, Avocados, oder neue Birkis, irgendwie kann jeder noch so kleine (oder grosse und ich spiele hierbei definitiv auf mein Date mit den Elefanten an – H A M M E R) Erfahrung einen Tag, eine Woche und manchmal auch ganze Monate versüßen. Das vergisst man schnell mal, leider leider, besonders dann, wenn sich eine Mücke unbemerkt unter’s Moskitonetz mogeln konnte, es zum vierten mal infolge zum Abendessen Fufu gibt oder für drei Tage das fliessende Wasser ausfällt. Es ist eben nicht nur ein Zuckerschlecken, aber wer möchte auch schon 24/7 Süßes essen?

In dem Sinne widme ich mich jetzt meinem obligatorischen Sonntagsessen (ihr wisst schon was ich meine).

In-Gedanken-esse-ich-ein-Käsebrot-Grüsse aus Ghana 🤪

Autor: Linn

Ich gehe weltwärts und blogge über Ghana, Glitzer und Soziales Engagement. Es werden Fotos und Herzensangelegenheiten geteilt :)

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