Einmal wie Mogli fühlen

„Probier‘s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit jagst du den Alltag und die Sorgen weg … denn mit Gemütlichkeit kommt auch das Glück zu dir!“Weise Worte von Balu dem Bären, die wir uns, als kurzzeit-Moglis, zu Herzen genommen haben. Alltag adé, Regenwald und Glück olé.

Unser Plan stand bereits seit mehreren Tagen, war super durchdacht und der Grund für meine unfassbare Vorfreude:

Wir würden Freitagmorgen los fahren, da an dem Tag ‚Founders Day‘ aka frei war, Vormittags in Cape Coast ankommen und von dort aus direkt weiter in den Kakum National Park düsen. In dem Regenwald übernachten wir dann in einem Baumhaus – jaa, mein voller Ernst 😍 – um dann ganz früh den Samstag durch den Park zu wandern. Nach der Fußsafari würden wir den Canopy Walkway bezwingen, eine Konstellation aus 7 Hängebrücken über den Baumkronen des Waldes und danach entspannt nach Cape Coast fahren, dort das restliche Wochenende genießen.

Ja, ihr seht, ein Highlight jagt das nächste und an sich war diese Wochenendplanung kugelsicher. Dennoch gab es einen Haken: der Kakum Park, um den sich ja alles drehte, hat nicht einmal von sich hören lassen 😂

Wir versuchten es ganz traditionell mit dem Telefon (testeten alle drei Nummern, die die stundenlange Internetrecherche preisgab), schrieben E-Mails und nachher, von unserer Verzweiflung angetrieben, SMS. Dennoch, der Park zeigte sich unbeeindruckt, schien wie von der Außenwelt abgekapselt. Von einer Bestätigung unserer Baumhaus-inkl.-Führung-und-Hängebrücken-Buchung waren wir ganz weit entfernt.

… von einer Absage aber auch! Und so setzten wir uns, voller Optimismus am Freitag morgen in‘s Trotro. 😁

Während wir dem Tag entgegen Richtung Cape Coast fuhren, checkten wir alle paar Minuten das Emailpostfach. Ich versuchte es auch nochmal mit den Telefonnummenr, wurde nach kurzem Tuten (ein großer Erfolg und schon Grund zur Freude) jedoch eiskalt weggedrückt. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto mehr machten wir uns auf die uns erwartende Absage gefasst.

Die Trotrofahrt ging flott um, wir hatten uns nach den ersten Wochen in der Schule (jahaa, ich werde bald drüber schreiben) einiges zu erzählen und unterhielten mit unseren Stories den kompletten Minivan.

Und so standen wir dann mit Rucksäcken und unserem Masterplan bepackt an der Main Junction in Cape Coast. Auch das Finden eines Taxis und später das des zweiten Trotros gestaltete sich so easy, dass es für meinen Geschmack beinahe etwas zu glatt lief. Aber wer beschwert sich schon darüber, wenn was läuft wie geschnitten Brot, nh?

Auf dem Weg zum Kakum hofften wir inständig, dass es unser kleiner Klapperbus mit der uns davon düsenden Zeit aufnehmen kann – der Park schließt um 16 Uhr und wir hatten nicht mehr viel Puffer, sollten uns die Ranger die Türen nicht vor der Nase abschließen.

Wie durch ein Wunder funktionierte aber auch das super gut und das Trotro flog über Stock und Schlagloch, brachte uns pünktlich und wohlbehalten an‘s Tor vom Kakum. Dicke Holzbalken zierten den Eingang und zwei hölzerne Hütten stellten sich als Rezeption heraus. Links von der kleinen Auffahrt saßen Frauen und Kinder, die Snacks und Wasser an die Touris verkauften. Als wir uns aufmachten, packten ein paar von ihnen schon zusammen, aber unser Appetit war erstmal Nebensache. Zielstrebig fragten wir die Männer am Eingang nach dem Baumhaus.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Statt der langersehnten Zusage, bekamen wir jedoch nur einen Namen: Prince. Immerhin vielversprechend, dachten wir uns und dackelten den Hügel in Richtung der zweiten Anmeldung hoch.

Was uns dort dann erwartete, war eine Überraschung. Statt der spärlichen Hütten unten am Eingang, blickte uns ein modernes Gebäude entgegen. Fasziniert von der schicken Aufmachung des Holzpalastes, den Restaurants und Shops wirkte alles wie eine Parallelwelt, verglichen mit Swedru.

Ein großer Mann mit Chino, Shirt und Sonnenbrille beförderte uns wieder ins Jetzt. Wir hatten Prince gefunden. Doch noch während er sich vorstellte, wanderte mein Blick zu seinen Füßen. Komische, schnelle Bewegungen hatten meine Aufmerksamkeit gewonnen. Ich blinzelte zweimal und war mir dann sicher: ein Äffchen!

Das Energiebündel namens Omega, wurde, wie sich später herausstellte, auch noch unser kleiner Freund.

Ja, bereits an diesem Punkt waren wir happy und die Fahrt (inklusive aller Ungewissheit) hatte sich gelohnt. Als unsere Sorgen wegen der nicht vorhandenen Buchung dann mit Princes Worten „Great! Of course, no problem. Please Ladies – sit down, I will send you your guide for the night“ weggeschnipst wurden, ließen wir uns tatsächlich erstmal auf die nächstbeste Bank fallen.

Können zwei Menschen tatsächlich so viel Glück an einem Tag haben?

Uns das fragend, saßen wir dann da, ein Äffchen spielte mit unseren Rucksäcken und wir waren aufgedreht bis zum geht nicht mehr – unser Plan hatte tatsächlich geklappt!

Alles, was ab da passierte, war wie ein Traum.

Prince stellte uns Richard vor, unseren persönlichen Guide. Richard wiederum stellte uns dann das Baumhaus vor, unsere Unterkunft für die Nacht.

Mittlerweile wurde es schon dunkler im Park, die Baumkronen schluckten viel Licht und so erhob sich das Baumhaus unerwartet auf der Lichtung, zehn Minuten zu Fuß tiefer im Wald, empor. Es fügte sich eindrucksvoll in das Meer aus Bäumen rundherum ein und bot dennoch genügend Komfort für eine Nacht.

Bereits nach dem kurzen Fußmarsch klebten wir nicht schlecht, das Klima war mitten im Regenwald nochmal eine andere Hausnummer. Wir stellten unsere Sachen ab, bezogen eine Matratze (Betten gab‘s nicht) und machten uns auf zum Abendessen.

Als letzte Gäste des Restaurants und einzigen Sleepover-Touris, hatten wir ab dem Nachmittag Omegas ungeteilte Aufmerksamkeit, sowie das gesamte Anwesen für uns. Und das war genau so lange ein cooler Gedanke, bis die Dämmerung einbrach.

Glücklicherweise waren wir da schon wieder in sicherer Höhe, fieberten aber dennoch Richard‘s Ankunft entgegen. Er hatte wegen unserer „kurzfristigen Buchung“ – ha ha 😂 – nochmal zwischendurch nachhause gemusst, bevor er mit uns die Nacht im Park verbringen würde. Gefühlte 100 Stunden, tausende gruselige und undefinierbare Tierschreie, sowie drei gepflickte Löcher im Moskitonetz später, tauchte unsere Rettung gemeinsam mit einer Scheinwerfertaschenlampe auf.

Puh, wir hatten bis ungefähr 7 ohne ihn auskommen müssen, eine ganze Nacht nur zu zweit hätten unsere Nerven niemals überstanden. 😂

Ansonsten verlief die Nacht aber ruhig, bis auf ein Schmatzen, dass mich gegen halb 5 weckte und unsere Bananen auf dem Gewissen hat. Keine Ahnung was genau unseren Snack verputzt hat, aber ich rede mir bis heute ein, dass es eine süße kleine Babymaus war. Dem Schmatzen nach zu urteilen, hätte es aber auch einer von den dort lebenden Waldelefanten sein können. Von den circa 20 Leoparden ganz zu schweigen.

Meine Rettung vor den Horrorfantasien, dass ich nach den Bananen das nächste Opfer werden würde, war der um 5 klingelnde Wecker. Unser Baumhaus erwachte zum Leben, während es draußen stockduster war. Es war so dunkel, dass es einfach schwarz war, das habe ich noch nie erlebt. Gleichzeitig kam ich es mir so vor, als ob wir die einzigen wären, die die Dunkelheit beeindruckte, denn unsere Nachbarn schienen quietschfidel und bester Laune zu sein.

Es wurde von Minute zu Minute mehr gesungen, geschrien und gezirpt. Es wirkte, als wollen unsere Tierischen Freunde den Sonnenaufgang herbei musizieren. Tatsächlich erinnerte mich das Regenwaldorchester an eine der vielen Yoga-Meditations-CDs.

Von einer Wolke aus „No Bite“ und „Autan“ umgeben, machten wir uns dann gegen viertel nach 5 zu Fuß auf. Gefolgt wurde dem Lichtkegel von Richards Scheinwerfer, ansonsten sahen wir eh nichts. Während unserer 90 minütigen Wanderung sahen wir viele viele außergewöhnliche Bäume, 1 Raupe und 1 Regenwurm, sowie *Trommelwirbel* zwei Rudel BUSHBABIES !! 😍

Die kleinen Racker sprangen über unseren Köpfchen von Ast zu Ast und ihre unproportional großen Augen blickten neugierig auf uns herab. Es war also nun nicht nur Fakt, dass ich durch einen richtigen Regenwald lief, sondern auch noch, dass ich einen seiner Bewohner in der freien Natur getroffen habe – Wahnsinn.

Wenn Träume in Erfüllung gehen, dann ist es perfekt. Aber wenn die Realität die Vorstellung dermaßen überflügelt, ja dann weiß ich auch nicht mehr.

Ich muss an diesem Punkt also glaube ich nicht mehr erwähnen, dass ich auf Wolke 7 hoch hundert schwebte.

Dass das ganze noch getoppt werden konnte schien unmöglich, aber der Kakum hat uns seine ganze Morgenmagie geschenkt.

Und so eröffnete Richard Stunden vor den ersten Tourigruppen nur für uns den Canopy Walkway, die Hängebrücken über den Baumkronen.

Es war wunderschöner als wunderschön.

Wir beobachteten die Sonne, wie sie langsam aufging. Die Bäume, die, soweit das Auge reichte, sich langsam im Wind wogen. Hörten den Affen bei ihrem morgendlichen Smalltalk zu und wackelten auf der Hängebrücke dem gerade beginnenden Tag entgegen.

Ich bezweifle, dass ich jemals einen besseren Start in den Tag erleben werde, das Gefühl ist mit Worten nicht zu beschreiben.

Wie in Watte gepackt, vor lauter Glückshormonen, schwebten wir dann wieder zu unserem Baumhaus. Packten unsere Sachen und verabschiedeten uns von Omega, noch bevor die ersten Besucher die Tore des Parks durchquert hatten.

Selbst der Achsenbruch unseres Trotros auf dem Weg zurück nach Cape Coast brachte uns nicht aus der Ruhe. Dieser Tag war viel zu kostbar, um ihn mit schlechten Gedanken zu trüben.

Problemlos und noch immer mit einem Lächeln auf den Lippen, das wie angetackert schien, erreichten wir mit dem nächsten Trotro dann die Küstenstadt.

Auf dem Weg zum Meer kaute ich Popcorn und freute mich wie ein kleines Kind über die klebrig-süße Angelegenheit.

Genau so behalte ich dieses wunderbare Erlebnis auch dankbar in Erinnerung – als puren Zucker. ❤️

Autor: Linn

Ich gehe weltwärts und blogge über Ghana, Glitzer und Soziales Engagement. Es werden Fotos und Herzensangelegenheiten geteilt :)

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