Touri für ein Wochenende

Bis zu diesem Trip war uns gar nicht klar, wie gut wir uns bereits in Ghana integriert haben. Total euphorisch, mehr von unserer neuen Heimat zu entdecken, verspäten sich zwei von meinen drei Mitreisenden um eine knackige Stunde, während die Andere zu einem verkehrten Treffpunkt düst. Unser erster Wochenendausflug startet also 3 Stunden (ja, wir haben noch getrödelt und die Trotros erst nicht gefunden) später als geplant, aber er startet mit waschechter Ghana-Manier und so kann selbst der Nieselregen unsere Stimmung nicht trüben.

Wie die Sardinen in der Büchse sitzen wir nun im dem Trotro, ohne blassen Schimmer wie lange wir tatsächlich unterwegs sein werden. Ich sage euch, die Deutsche Bahn und ihre Ansagen sind ein Träumchen 😄. Hier steht nur eine Sache fest und das ist unser Ziel: Cape Coast!

Zu unserem angepeilten Ort gibt es einiges zu sagen. So ist es eine alte Stadt mit jungen Leuten, ein landesweit bekannter Universitäten-Hotspot, Heimat von der berühmten ehemaligen Sklavenburg Cape Coast Castle und, als wäre das alles nicht schon Grund genug für eine Reise, direkt am Meer gelegen.

Während wir mit dem Trotro durch die ghanaische Weltgeschichte düsen, verraten uns weder (durch ihre Abwesenheit glänzenden) Strassenschilder, noch die (sich immer wiederholende) Landschaft ( Wald-Dorf-Wald-Wald-Dorf-..) unseren Aufenthaltsort. Erst als uns bunte Wimpel fröhlich entgegenwehen, wird uns klar: wir sind da!

Denn, Glückspilze wie wir sind, haben wir glatt das Cape Coast Festival-Wochenende mit unserer Ausflugsplanung erwischt, whuup whup. So werden die Strassen nach Sonnenuntergang zur Partyszene erklärt, unzählige Menschen, alle in einer Farbe gekleidet, ziehen mit Lautsprechern auf LKW‘s, tragbaren Boxen und einem Haufen guter Laune durch die Stadt und machen die Nacht zum Tag. Mittelpunkt des mehrtägigen Festivals stellt ein großer Platz vor einer der vielen Kirchen dar. Dort unterhalten Rapper, Akrobaten und Moderatorinnen die Menschenmänge und versuchen mit Mikrofonen gegen die Wand aus Reggae anzukommen. Der nette Versuch scheitert kläglich, tut der Stimmung aber keinen Abbruch 😄 So viel zum Nachtleben des Fischerdorfs aka der Hauptstadt der Central Region.

Obwohl abends auf Teufel komm‘ raus gefeiert wird, ist die Stadt aber am nächsten Morgen auf keinen Fall verkatert, nee nee. Die Musik scheint niemals zu verklingen und mischt sich hervorragend mit der salzigen Meeresbriese. Die Stadt an sich erinnert, wie auch andere ghanaische Großstädte, nicht etwa an uns bekannte Stadtbilder, sondern ähnelt viel mehr einem zu groß gewordenen Dorf. Kleine Shops zieren das Bild, beim Spaziergang durch die Strassen und überall verraten Fischerboote das Meer, welches sich hinter der einen Reihe von Kiosken befindet.

Viele Lokals sind freundlich und helfen uns bei Orientierungsschwierigkeiten (altbekanntes Problem meinerseits) auf die Sprünge. Ja, einmal bekommen wir sogar am Strand ein Privatkonzert, das wunderbar idyllisch war.

Ebenso erleben wir aber auch die Schattenseiten der westafrikanischen Großstadt zum ersten mal richtig und so bin ich innerlich sehr aufgewühlt beim Anblick der vielen, vielen Strassenkinder und meiner Ohnmacht, ihnen zu helfen.

Dieses Gefühl lässt sich auch nicht mit dem verführerischen Angebot europäischer Speisen betäuben und hinterlässt mich noch immer nachdenklich.

Die eiskalte Realität lässt meine Seifenblase aus tosenden Wellen, karibischem Flair, vermisstem Kaffee und mitreißender Kultur platzen.

Unser Ausflug nach Cape Coast ist dennoch seine teils holprige (Trotro-)Reise wert gewesen. Und so erfüllt mich doch tatsächlich auf der Rückreise ein klitzekleines Gefühl von Heimat, als unser wackeliger Minibus in die Strassen Agona Swedru’s einbiegt.

Wer sich jetzt wundert, warum ich das mit der ehemaligen Sklavenburg nur halbherzig abgetan habe, sei beruhigt: da kommt noch ein Spezial auf euch zu 😉

Meine erstes Ziel auf dem Ghana-Entdeckungs-Trip ist abgehakt. Und todsicher wird es nicht das letzte bleiben, so geht es morgen früh schon wieder los Richtung Cape Coast und ich verrate nur so viel: ein Traum wird wahr ❤️

Wanderlustige Grüße an Euch! 🙂

Autor: Linn

Ich gehe weltwärts und blogge über Ghana, Glitzer und Soziales Engagement. Es werden Fotos und Herzensangelegenheiten geteilt :)

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